Storytelling in der Weiterbildung

Storytelling in der Weiterbildung

Wie Geschichten beim Lernen helfen

Erinnern Sie sich noch an Ihre liebste Geschichte aus der Kindheit? Das war vielleicht ein Buch, das Sie besonders gemocht haben. Ein Hörspiel, das Sie wieder und wieder gehört haben. Eventuell war es auch ein Film, dessen Geschichte Sie immer aufs Neue begeistert hat. Noch heute werden Sie vermutlich viele Details erinnern. Worüber haben sich die Protagonist:innen unterhalten? Welche Worte haben sie verwendet? Wo waren sie unterwegs?

Mir geht es so. Ich erinnere mich noch heute vor allem an die vielen Kassetten, die ich als Kind gehört habe. Die meisten von ihnen kann ich jetzt noch mitsprechen. Mit einer Benjamin Blümchen Geschichte habe ich beispielsweise gelernt, dass man Italien auch den Stiefel nennt. Und ich habe sofort Bilder im Kopf – davon wie der Elefant in einem kleinen Zug Richtung Süden fährt und wie er gemeinsam mit seinem Freund Otto am Urlaubsort ankommt.

Geschichten bleiben im Kopf – wenn sie gut sind

Gute Geschichten bleiben automatisch im Kopf. Und dabei ist es egal, in welchem Kontext sie uns erzählt werden. Die Werbung macht sich das häufig zunutze, indem sie besonders überraschende, witzige oder skurrile Geschichten erzählt oder solche, die uns berühren. Gelungenes Storytelling nennt man das, wenn eine Botschaft bei der Zielgruppe ankommt und noch dazu im Gedächtnis bleibt.

Das funktioniert auch im Lernkontext – also in der Schule, der Universität oder in der Erwachsenenbildung. Aber warum ist das so? Unser Gedächtnis funktioniert auf zwei verschiedene Weisen. Zum einen gibt es das analytische Gedächtnis, das wir benötigen, um zu planen oder logisch zu argumentieren. Zum anderen gibt es das narrative Gedächtnis, das unser Erleben zu einem großen Ganzen zusammenfügt und es emotional einordnet.

Hören oder sehen wir eine gute Geschichte, springt genau dieses narrative Gedächtnis an. Wir werden an ähnliche Begebenheiten, eigene Erfahrungen oder Erlebnisse erinnert und es werden Gefühle wach, die wir dazu bereits kennen, da wir sie mit einer Situation aus der Vergangenheit verknüpfen. Im Gegensatz zu reinen Fakten kann sich unser Gehirn das viel besser merken, denn es kann an bereits vorhandene Strukturen anknüpfen. Können wir uns mit einer Geschichte identifizieren, führt das sogar zu einer emotionalen Bindung. Dann kann unser Gehirn das Gehörte oder Gesehene noch besser verarbeiten – und sogar langfristig speichern.

Wenn Lotta Ben zwei ihrer vier Äpfel gibt, lernen wir das Rechnen vielleicht neu, jedoch können wir es auf anderer Ebene nachempfinden: Es geht ums Teilen, um Gerechtigkeit und um leckere, saftige Äpfel.

Storytelling in der Weiterbildung

Gekonnt erzählte Geschichten können das Lernen immens erleichtern – sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Bisweilen werden Geschichten jedoch vor allem im schulischen Kontext genutzt: Das Lernen mit Geschichten gilt als spielerisch und besonders motivierend. Durch Storytelling geschieht es vor allem unterbewusst und nebenbei und das ist gerade bei einer (jüngeren) Zielgruppe hilfreich, die wenig Erfahrung darin hat, sich selbst zu motivieren. Wissensvermittlung ist so angenehmer für die Lernenden, da der Lernprozess größtenteils automatisiert abläuft.

Doch auch Erwachsene profitieren von Storytelling, wenn sie – beispielsweise in einer Fort- oder Weiterbildung – Neues lernen. Das Geschichtenerzählen ist eine wichtige Methode, um ihnen einen Lerninhalt nahezubringen. Worauf es immer ankommt: Die Geschichte muss an die Realität der Lernenden anknüpfen, um zu wirken. Eine gute Story ermöglicht es, die Lernenden in ihrer Lebens- oder Arbeitsrealität abzuholen und so auf ihr Unterbewusstsein zu wirken, dass Lerninhalte langfristig verankert bleiben.

Was macht gelungenes Storytelling aus?

  • Einfachheit. Eine gute Geschichte zeichnet sich durch Klarheit aus. Sie sollte ohne Umwege erzählt werden, um die Lernenden nicht vom eigentlichen Lerninhalt abzulenken und die Botschaft deutlich zu transportieren.
  • Surprise! Es braucht Überraschungsmomente und Kehrtwenden, um die Zielgruppe an die Story zu fesseln und Emotionen auszulösen. - Identifikation. Es gibt nahbare, sympathische Protagonist:innen. Wir alle hören lieber jemandem zu, den wir gut leiden können und dem wir trauen.
  • Nähe. Eine gute Geschichte ist nah an der Lebens- bzw. Arbeitswelt der Lernenden. Die Protagonist:innen der Story sollten demnach in einem ähnlichen (imaginären) Umfeld agieren wie die Lernenden in der Realität. Oder die Figuren in der Geschichte haben ganz ähnliche Herausforderungen und Probleme wie die Zielgruppe.
  • Präsenz. Die direkte Ansprache der Lernenden führt zu mehr Involviertheit. Finden Sie nicht auch?
  • Mit allen Sinnen aufmerksam. Werden verschiedene Sinne angesprochen (z.B. das Hören und das Sehen), wird unser Gedächtnis gleich mehrfach aktiviert. Je vollumfänglicher unser Empfinden ist, wenn wir eine Geschichte hören, desto tiefgreifender sind die Verknüpfungen in unserem Gehirn.

Storytelling als Methode in der beruflichen Weiterbildung

In unserer Praxis nutzen wir Storytelling sehr gern und auf verschiedene Art und Weise. Geht es beispielsweise darum, den Techniker:innen, die für unseren Kunden sonnen arbeiten, nahezubringen, wie sie Batterien richtig anschließen, hilft eine Erzählung, um sie durch die verschiedenen Arbeitsschritte hindurchzuführen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Lernvideo oder ein Web Based Training zum Einsatz kommt. Wir bringen die Lernenden in einen virtuellen Raum, der ihrer realen Arbeitsstätte nachempfunden ist, und zeigen ihnen Schritt für Schritt alle Handgriffe. Der Aufbau der Inhalte, aber auch die Bilder, Animationen und Texte setzen wir so um, dass sie zu unserer Zielgruppe passen.

Sollen Kundenberater:innen erlernen, wie sie ein neues Produkt bestmöglich in Richtung Kund:innen vermarkten, führen wir sie durch verschiedene imaginäre Verkaufssituationen. Hier „begegnen“ sie real nachempfundenen Kund:innentypen, bekannten Stolpersteinen in Beratungsgesprächen und erfahren, wie sie damit umgehen können. Hier bieten sich Lernbegleiter:innen (oder: Avatare) an, denn sie können dazu beitragen, die Verkaufssituationen einzuleiten, sie zu erklären oder bewerten – und so direkt auf die Befindlichkeiten der Lernenden einzugehen. Steht der Avatar in der Geschichte vor dem gleichen Problem wie die Zielgruppe, findet sich diese besonders schnell im Lerninhalt wieder.

Dies sind nur zwei Beispiele dafür, wie sich Lerninhalte über Geschichten transportieren lassen. Wir bei BREUER+NOHR schätzen die Methode des Storytellings sehr und nutzen diese für unsere Kunden immer wieder. Manchmal genügt es, die Wichtigkeit eines Lerninhalts gleich zu Beginn mithilfe einer Geschichte zu begründen. In anderen Fällen ist es hilfreich, einen gesamten Lerninhalt als Story zu konzipieren.

Sie interessieren sich für die Methode des Geschichtenerzählens und wüssten gerne, wie sie auch Ihre Lernangebote aufwerten kann? Dann melden Sie sich gerne bei uns. kontakt@breuerundnohr.de

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